Die Galerie «art-trogen» am
Landsgemeindeplatz macht seit einem Jahr nicht nur die lokale Kunst spür- und
sichtbar, sondern sie belebt auch den Dorfkern. Die treibenden Kräfte und
Mitinitiatoren sind Marc Wilmes und seine Ehefrau Bernadette Oehler Wilmes
TROGEN - Trogen gilt als das
Kulturdorf im Appenzellerland. Nicht nur beheimatet die Mittelländer Gemeinde die Kantonsbibliothek,
sondern mit rund 30 Kunstschaffenden bei 1800 Einwohnern dürfte sie prozentual
auch die grösste Künstlerdichte aller Gemeinden und Bezirke aufweisen. Paradox erscheint es
deshalb, dass das Dorf während eines halben Jahrzehnts über keine eigene
Galerie verfügte. Vor fast einem Jahr hat sich dies zum Glück für alle Kulturinteressierten
geändert. Am 15. August öffnete in der ehemaligen Papeterie Wild beim
Landsgemeindeplatz die Galerie «art-trogen» ihre Tür. «Wir wollen damit den
Kunstschaffenden von Trogen und Umgebung einen Ausstellungsraum bieten sowie
die bildende Kunst im Dorf sichtbar und erlebbar machen», sagt der 55jährige
Marc Wilmes, der gemeinsam mit seiner Ehefrau Bernadette die Galerie führt.
«art-trogen» will aber noch
mehr. Das Ausstellungslokal soll ebenfalls dazu beitragen, den Dorkern lebendiger
erscheinen zu lassen. Dass diese Anliegen richtig waren, zeigt sich nicht nur
anhand des grossen Publikumserfolgs der bisherigen Ausstellungen. Die Einträge
im Gäs- tebuch der Galerie sprechen Bände. Unter anderem heisst es dort: «S
Dorf läbt wieder chli me...», «Eine Galerie in Trogen ist eine grossartige
Idee.» oder «Schön, dass hier wieder etwas los ist.»
Einen Beitrag leisten
Marc und Bernadette Wilmes
lieferten zwar die Idee zur Galerie, umgesetzt haben sie diese aber gemeinsam
mit Bekannten und Kollegen die ebenfalls kulturinteressiert sind und einen
Beitrag zum Gemeinwohl Trogens leisten wollen. «Es ist nicht die Aufgabe der Gemeinde
Ausstellungsmöglichkeit für bildende Kunst zu schaffen. Die Behörden haben
genug zu tun. Ihre Ressourcen sind beschränkt» sagt Marc Wilmes über die Beweggründe
der initiativen Gruppe. Der gebürtige Luxemburger lebt seit sieben Jahren im
Dorf und engagiert sich vielfältig. Unter anderem ist der Fundraiser der
Stiftung Kinderdorf Pestalozzi Mitglied der Wirtschaftsgruppe, die die Gemeinde
Trugen mit ihrem Wissen bei konkreten wirtschaftlichen Themen und Projekten
unterstützt.
Verein ohne Künstler
Gemeinsam mit den Kollegen
bauten die Wilmes die ehemalige Papeterie Wild über den Sommer 2008 in eine
Galerie um. Ein neuer Boden wurde verlegt, die Wände weiss gemalt und mit Hilfe
des lokalen Gewerbes die Vitrinen verkleidet. Die Galerie verfugt über 18
Laufmeter Ausstellwände, zudem über Schaufenster, in denen häufig Skulpturen
und Installationen die Aufmerksam der der Passanten gewinnen. Aus dem
engagierten Kollegenkreis entstand schliesslich der Verein «art-trogen», der
die Galerie nun betreut. Präsidentin ist Bernadette Wilmes, ihr Ehemann ist
Aktuar. Dem kleinen Verein, der aktuell zehn Mitglieder aufweist, gehören
bewusst keine Kunstschaffenden an. «Dadurch sind wir unabhängig» sagt Marc
Wilmes. Obwohl die Galerie offen für auswärtige Kunst ist, liegt der Schwerpunkt
bei Künstlern aus Trogen und Umgebung. Man erhofft sich beispielsweise, dem
leider passenden Sprichwort «Propheten gelten in der eigenen Heimat wenig»
entgegenzuwirken Ein Werner Meier ist überregional bekannt, ein Marc Staff
Brandl gar weltweit doch im Dorf selber nimmt man sie gemäss Marc Wilmes nicht
gebührend zur Kenntnis. Die Galerie strebt zudem einen guten Mix aus
arrivierten und aufstrebenden Kunstschaffenden an. Im Kielwasser bekannter Künstler
will man Talenten eine Möglichkeit bieten, auf sich aufmerksam machen zu können.
«art-trogen» veranstaltet zehn
Einzel- oder Themen-Ausstellungen, die rund drei Wochen zu sehen sind. Die
nächste widmet sich dem Thema Kuh. Vernissage ist morgen Freitag.
Breiter abstützen
Die Galerie «art-trogen» hat
sich nach nur einem Jahr zu einem Begegnungsort entwickelt, den häufig auch
Jugendliche aufsuchen. Zu dem dient sie als Netzwerk-Schnittstelle, wo sich
Kunstinteressierte und Künstler austauschen und über Ideen diskutieren können.
«art-trogen» war ursprünglich als dreijähriges Projekt. angedacht worden. Nach
einem Jahr sieht es dank des beachtlichen Erfolgs jedoch so aus, als ob es
darüber hinaus weitergehen soll. Marc Wilmes strebt an, den Verein breiter
abzustützen. Er kann sich auch vorstellen, mit Trogner Künstlern an regionalen
Kunstmessen auszustellen. Die Galerie «art-trogen» wäre dann ein Art
Botschafterin, die der lokalen Kunstszene nicht nur im Dorf, sondern auch
auswärts ein Gesicht gibt.