Der einheimische Künstler Werner Meier zeigt bis zum 14. Februar in der Trogener Galerie am Landsgemeindeplatz die Ausstellung "Silvesterchlausen".
Fratzen von wüsten Chläusen mischen sich mit den
kunstvoll gestalteten Hauben der schönen. Neben dem grünen Rocksaum
eines Rollenweibes hängt die Darstellung eines Rollis, der hüpft, dreht
und sich eben rollt. Zum Silvesterchlausen gehört aber auch die
winterliche Landschaft: Schneefall, Nebel, Morgensonne, abgelegene
Gehöfte, Fenster mit Eisblumen. Die Bilder sind in verschiedenen
Techniken gestaltet. Kohlezeichnungen finden sich neben Aquarellen,
Werke aus Dispersion neben Bleistiftskizzen, Grafik neben Lithogrphie.
Als Malgrund dient ausser Papier oft "Spurenmaterial", zum Beispiel
Stücke von Abdeckkarton aus dem Maschinensaal einer ehemaligen
Stickerei oder altes Teerpapier.
Ansichten eines Chlauses
Werner Meier bezeichnet die Ausstellung als "bildnerischer Nachklang aus erlebter Innensicht auf den Appenzeller Silvesterbrauch". Der 53jährige Lehrer für bildnerische Gestaltung an der Kantonsschule Trogen ist in Stein geboren und aufgewachsen, in einer Gemeinde also, wo am 31. Dezember traditionell die Chlausschuppel mit ihrem "Groscht", den Rollen und Schellen von Haus zu Haus ziehen, tanzen, zauern und ein gutes Neues wünschen. Viele Jahre war Werner Meier selbst als Nachrolli der "Schönen Stääner" mit dabei. Auch den letzten Silvester hat er "als Aushilfe" nochmals unter der Chlausenhaube verbracht. Die Impressionen und eindrücklichsten Momente sind in seine werke eingeflossen. Sie bilden Vorlagen für ein neues Buchprojekt zum Thema "Silvester" und werden in der Galerie am Landsgemeindeplatz erstmals der Oeffentlichkeit gezeigt. Exklusiv für die Ausstellung hat Werner Meier im Atelier von Urban Stoob, St. Gallen, eine Lithographie mit fünf Schellenchläusen geschaffen. Sie ist in zwei Versionen erhältlich. Die erste, mit einer Auflage von lediglich acht Stück kostet 400 Franken. Für 350 Franken gibt es die zweite, die in 20 Exemplaren vorliegt. Die anderen werke sind unverkäuflich.
Bewegung und Stimmung
Bei der Vernissage vergangenen Freitag standen die Besucherinnen und Besucher dicht gedrängt in den Räumen der Galerie. Johannes Schläpfer, Deutschlehrer an der Kantonsschule Trogen und Volkskundler, führte in die Ausstellung ein. "Die Bewegungen der Schelli, das Tanzen und Drehen der Rolli, aber auch das Melancholische der Zäuerli versteht Werner Meier in seinen Bildern einzufangen", sagte er. Die Bilder seien Aussensichten und Innensichten gleichermassen. Meier gestalte als Betrachter hinter der Larve Dinge, die sich vor seiner Maske abspielen. Er sei Teil dessen, was er malerisch umsetze. "Daher sind seine Bilder auch so ausdrucksstark, so lebendig, so beschwingt. Wer sie vertieft betrachtet, wird mit der Zeit selber Teil des Dargestellten.
Zauern live
Untermalt oder besser ergänzt wurden Johannes Schläpfers Ausführungen durch plötzlich einsetzendes Schellen, Rollen und Zauern in einem Nebenraum der Galerie. Andächtige Stille machte sich breit, und nicht wenigen Besucherinnen und Besuchern dürfte es ob der Klänge kalt und warm den Rücken hinauf und hinunter gelaufen sein. Zum Publikum gesellten sich schliesslich Meiers Chlauskollegen aus Stein - zwar ohne "Groscht" aber willig, während des restlichen Abends weitere Zäuerli anzustimmen, bei denen Werner Meier selbstverständlich mitsang. Noch ein Zitat aus Johannes Schläpfers Einführung: "Ich lade Sie ein, die Bilder in aller Ruhe zu betrachten. Schauen Sie die Bilder in unterschiedlicher Reihenfolge an, und sie werrden feststellen, dass man deren Schöpfer nicht in ein Schema zwingen kann." Dem ist nichts beizufügen.