Die Galerie am Landsgemeindeplatz in Trogen zeigt über die nächsten zwei
Wochen einen Querschnitt durch Ingrid Koss Staffas Werk. Es ist zugleich eine
Geburtstagsausstellung und ein Arbeitsjubiläum: Koss Staffa wird heuer 66 Jahre
alt und sie malt seit 40 Jahren.
Guido Berlinger-Bolt
Waldstatt/Trogen. Ein wunderbarer Arbeitsplatz: Farbe überall und Form,
Kraft und Entspannung, Licht und Lichtreflexion. Ingrid Koss Staffa gewährt uns
Einblick in ihr Atelier und in ihr Schaffen. Bemalte Flaschen und Fassdauben
und Äste und Schwemmholz und Bilder in allen erdenklichen Formaten. Überall
ragt Natur ins Blickfeld: Auf ihren ausgedehnten Wanderungen mit ihrem Hund
Pablo gefunden, leben Stein und Holz in einem ganz neuen Kontext weiter, werden
Stein und Holz zu Verweisen aus einer grafisch-abstrakten Anderswelt zurück in
die Gegend um Waldstatt.
Dort lebt sie seit langem, die Künstlerin, die sich selber nicht gerne ins
Zentrum stellt. Denn dort, so Ingrid Koss Staffa, soll Raum sein für ihr Werk.
Es ist eines, das von einem weiten Weg zeugt, eines, das nicht einfach so aus
dem Nichts und mitnichten mit links entstand.
Hohe Ansprüche «Ich befand mich ständig auf der Suche nach Perfektion und nach einem Weg,
mehr Ausdruck in meine Arbeiten zu geben», blickt Ingrid Koss Staffa zurück und
erwähnt eine Konstante, die immer wieder ernüchternd, bisweilen wohl auch
frustrierend gewesen sein musste, eine Konstante indes, die für ihr Schaffen
letztlich eine ungeheure Fruchtbarkeit bedeuten musste: «Ich war nie ganz
zufrieden mit dem Geschaffenen.» Der permanente Zweifel am eigenen Werk, dieser
«harte, steinige Weg» (O-Ton Koss Staffa) brachte sie weiter.
Am Anfang waren es Bleistift-Arbeiten, Rötel, Kohle, Farbstifte, den
Zeichenblock immer in der Tasche, fertigte Ingrid Koss Staffa am liebsten
Karikaturen an. Später kamen Gouache-Arbeiten, naturalistisch mit einem Hang
zur Abstraktion.
Erste zufällige Aufträge für Theaterkulissen und Malereien auf Schaufenstern
mit Märchen und Geschichten kamen später hinzu. Im Hinterkopf jedoch immer der
Anspruch: «Ich muss besser werden. » Also begann Ingrid Koss Staffa bei
verschiedenen Künstlern und Lehrern zu lernen, zuerst an der Migros-Clubschule
in Lichtensteig, später als langjährige Schülerin beim bekannten Kunstmaler
Josef Eggler, welcher wegleitend für ihr zukünftiges Kunstschaffen war. Die
fortlaufende Beschäftigung mit Zeichnen und mit der Malerei schulte ihr Auge:
Figürliches sowie Aktzeichnen standen auf dem Lehrplan. Priorität genoss die
perspektivische Umsetzung und die Genauigkeit. Bis ihr das zu eng wurde.
Ingrid Koss Staffa vergleicht ihre Situation damals mit der eines
Schmetterlings, der seine Puppe zerreisst und ausbricht. Sie habe hart an ihrer
Entfaltung gearbeitet, sagt sie heute. Sie erzählt von schlaflosen Nächten, von
Niederlagen, und davon, dass jede Niederlage ihr neuen Schub gegeben habe – bis
sie ihren Weg gefunden hat. Und jetzt, da wir uns in ihrem Dachatelier
umschauen, sind wir versucht zu sagen: Was sie gesucht hatte, war das Suchen
und Finden an sich. Heute nimmt das Experiment viel Raum in ihrer Arbeit ein;
Versuche mit Naturfarben, Acryl, mit Fäden, Kohlestücken aus dem Cheminée,
Lack, Leim, Teer, Schwemmgut, Steinen und unzählige dünne Schichten von
Farbaufträgen; allesamt Versuche, Tiefe, Leuchtkraft und Struktur darzustellen.
Der Abschied vom rein Flächigen nämlich führte zu einem «Drahtseilakt», wie
sie es umschreibt, zu einem Tanz zwischen abstrakter und figürlicher Malerei.
Ein Bild das durchaus seinen Charme besitzt – und dies, ohne gleich den Natur-Kultur-Gegensatz
ins Spiel bringen zu müssen.
Der Weg in dritte Dimension
In den letzten Jahren fand Ingrid Koss Staffa einen Weg jenseits der
Staffelei: «Ich suchte nach Kraft – dabei machte es plötzlich <Klick> und
es entstand etwas ganz Neues.» So beschreibt sie ihren Weg in die dritte
Dimension: Fassdauben, Glasflaschen, Sturm- und Treibholz verleiht sie
Gesichter und Körper, ja mit der teilweisen Beweglichkeit ihrer Objekte schafft
sie beinahe Szenisches.
Dieser Tage fallen Koss Staffas Geburtstag und «Arbeitsjubiläum» zusammen:
66 Jahre alt wird sie; seit 40 Jahren zeichnet und malt sie. Grund genug, eine
Werkschau zu halten. Die Galerie am Landsgemeindeplatz in Trogen zeigt ab heute
und bis am 27. März die breite Palette ihres Schaffens.
Ausstellung vom 12. bis 27. März; Öffnungszeiten: freitags
14 bis 18 Uhr, samstags 9 bis 13 Uhr, oder nach telefonischer Vereinbarung;
Vernissage ist kommenden Sonntag, 14. März, von 15 bis 18 Uhr; www.art-trogen.ch.