allerlEi HühnerEien War zuerst das Huhn ... oder das Ei?
Eier und Hühner bunt gemischt in einer Sammelausstellung.
Die Galerie am
Landsgemeindeplatz ist aufs Huhn gekommen. Vom 27. März bis zum 9. Mai zeigten
verschiedene Künstlerinnen und Künstler Hähne, Hühner und Eier in einer
kontrastreichen Themenvielfalt.
Da ist Jolanda Brändle, gelernte Kindergärtnerin, Bäuerin, Hausfrau und Mutter von acht
Kindern. Sie zeigt klassische und moderne Scherenschnitte, allesamt passend zum
Ausstellungsthema. Ihre Kunstwerke sind von erstaunlicher Präzision, minutiös in der Ausführung,
filigran in der Anmutung. Ihre Porträts von vermenschlichten Hühnern in
Alltagssituationen verblüffen und faszinieren zugleich.
Im Kontrast zu
den schwarz/weissen Scherenschnitten von Jolanda Brändle stehen die farbigen
zum Teil grossformatigen Bilder von Charly Bühler. Er ist, geht es ums Thema
Huhn, die Koryphäe in der helvetischen Kunstszene. Charly Bühler kombiniert die
liebenswerten und weniger liebenswerten Attribute von Hühnern und setzt sie in
Bezug zu aktuellen Themen. Keine Frage, dass momentan Alltagssituationen aus
der Finanz- und Geschäftswelt zuoberst auf seiner Liste stehen.
Eine ganz andere
Art, das Thema Huhn umzusetzen pflegen Werner Angst und Susanne Brefin. Sie
haben sich den Werkstoffen Stoff und Draht verschrieben. In Trogen präsentieren sie Hühner aus Draht, endlos
und an einem Stück, statisch und bewegt. Höhepunkt ihres Beitrages ist eine
raumfüllende, bewegte Skulptur.
Vervollständigt
wird die Themenausstellung mit äusserst spannenden Glasobjekten von Barbara Gfrerer und traditionell bemalten Eiern von Vreni Unger.
Wissenswertes über die Künstlerinnen und Künstler:
leicht überforderter Bänkler
Charly Bühler
Charly Bühler wurde 1941 in Luzern geboren, ist im Tessin und am
Zürichsee aufgewachsen und lebt heute im Tösstal. Vor mehr als 20 Jahren
stellte er seine ersten impressionistischen Eier-Bilder aus. Aufs Huhn gekommen
ist er etwas später, als er anlässlich seiner Hausräuke von Freunden einige
Hühner geschenkt bekam.
Die Faszination an den schönen und interessanten Tieren hat ihn nicht mehr
losgelassen, denn bei genauerem Hinsehen findet man überraschende Analogien zum
Menschen: Die Hackordnung, die Hierachie im Hühnerhof, das Imponiergehabe der
Hähne, die Streitereien unter Hühnern...Die Inspiration für seine Bilder findet
Charly Bühler aber nicht nur im Hühnerhof, sondern vor allem beim Beobachten
von Menschen in der Stadt, in der Gesellschaft, im Beruf, im Alltag.
Als genauer
Analytiker kombiniert er die liebenswerten und weniger liebenswerten Attribute
von Hühnern und Menschen - es entstehen daraus faszinierende Stilleben oder
eben witzig-freche, sehr treffende Hühnerbilder aus der Menschenwelt. Seine
Portraits von Hähnen und Hühnern sind in einer beeindruckenden Ausdruckskraft
gemalt. Mit sicheren Strichen erfasst er das wesentliche und setzt den Leerraum
gekonnt als Spannungselement ein.
„Gagerei, Hopp Schwiiz, im Kosmetikstall oder
Hühnerlädeli“ heissen die Werke von Jolanda Brändle aus Friedlingen bei
Mosnang. Es sind Kunstwerke in einer verblüffenden Präzision, mit der Schere
aus Papier geschnitten. Sie zeigen vermenschlichte Hühner in
Alltagssituationen, mit einem schelmischen Augenzwinkern zu Papier gebracht.
Jolanda Brändle ist mit fünf Geschwistern in Bazenheid im
Untertoggenburg aufgewachsen. 1991 war sie vier Jahre in Mosnang als
Kindergärtnerin tätig. Nach der Heirat mit dem Landwirt Stefan Brändle
wechselte sie ihr Berufsleben zur Bäuerin und Mutter. 1998 besuchte sie an drei
Abenden einen Einsteigerkurs für Scherenschnitte. Diese "Schererei"
hat sie so fasziniert, dass sie jede freie Minute dafür einsetzt. Die Zeit
der "Schererei" geniesst Jolanda Brändle als Ausgleich zum Haushalt,
Betrieb und Mutter von unterdessen acht Kindern.
Jolanda Brändle pflegt mit dem Scherenschnitt eine sehr traditionelle
Kunstform. Ursprünglich in Nordchina beheimatet, ist es eine der ältesten
Volkskünste Chinas. In Europa war der Scherenschnitt beliebt in der Kultur der
Goethezeit und des 19. Jahrhunderts. Ein bedeutender Vertreter des
Scherenschnitts im Jugendstil ist der Illustrator Marcus Behmer, der seine
Scherenschnitte teils auch als Vorlage für ornamentale Gestaltungen
herangezogen hat.
Auch heutzutage haben klassische und moderne Scherenschnitte ihren
Liebhaberkreis in der Kunstszene. Ein bekannter Vertreter der Moderne ist der
Schweizer Papierschneider Adam Dario Keel. Auch heute noch ist der
Scherenschnitt in der Schweiz sehr beliebt. Die Schweizerische Post hat im
Herbst 2007 vier Briefmarken mit Motiven von Schweizer Scherenschnitt-Künstlern
herausgegeben.
Seit 2005
arbeiten Werner Angst und Susanne Brefin an grossen beweglichen Drahtobjekten.
Ausgangspunkt für das gemeinsame Schaffen waren die Experimente von Susanne
Brefin mit Draht-Taschen, die sie mit Stoff fütterte.
Werner Angst
seinerseits fing früh an mit dem Werkstoff Draht zu arbeiten. Endlos und an
einem Stück begann er mit dem Draht Hühner zu gestalten. Erst statisch, dann in
Bewegung.
An der
Ausstellung in der Galerie am Landsgemeindeplatz geben die beiden einen
Einblick in ihr aktuelles Schaffen; kleine, statische Hühnerskulpturen aus
Draht und eine grosse, bewegte Skulptur.
Barbara
Gfrerer ist gelernte
Glasbläserin mit einem eigenen Atelier in Illighausen. Ihr Beruf ist zugleich
ihr Hobby. Mit viel handwerklichem Geschick und einem guten Auge für humorvolle
Details hat sie eine ganze Palette von Hennen und Güggel geschaffen. Ihre Werke
sind halbtransparent bis transparent. Der spärliche Umgang mit Farben verleiht
den Hühnern eine filigrane Leichtigkeit. Original Hühnerfedern, als
Füllmaterial in den Eiern oder als Applikation an den Hühnern runden das
Gesamtbild vollendet ab.
Straussenei mit Appenzellerhaus
Vreni Unger
Vreni Unger Vreni und Hermann
Unger sind weit herum bekannt für ihre geschnitzten Miniaturen. Sie zeigen meist realistische Alltagsszenen
oder dann kunstvolle bäuerliche Motive wie Alpaufzüge, einzelne Kühe oder
Ziegen etc. Als Team haben Ungers eine klare Aufgabenteilung. Hermann schnitzt
und Vreni malt und verziert. In der
aktuellen Ausstellung zeigt sie kunstvoll verzierte Eier von Hühnern, Enten und
Gänsen. Im Stile der klassischen Bauernmalerei zeigen sie landschaftliche und
bäuerliche Motive, aber auch Tiere und Blumen.